Zuckerwattewelt

4. Juni 2010

Vielleicht wünsche ich mir einen Zuckerwattewelt. Heimlich.
Es gibt diese Momente. Es gibt diese Tage. Manchmal reicht schon die Kombination von Bild und Musik eines kleinen Werbespots um mich zu Tränen zu rühren. Ab und zu bin ich mir dann selbst peinlich. In einigen Fällen so sehr, dass ich schon wieder lachen muss.
Manchmal ist es eine Website, die mich für einen Moment aus dem Tag, aus der Hektik, aus der Unzufriedenheit und dem Frust herausholt. So ging es mir vor ein paar Tagen. Ein einfacher Link. Die Website einer Photographin. Portraits, Kinder, Familien, Hochzeiten und Babys. Ich erwartete eine dieser Galerien, in der man wahllos ein paar Bilder ansieht, ein wenig herumklickt um die Seite irgendwann zu schliessen. In den seltensten Fällen mag ich kommerzielle Seiten, wo jemand für diese Themengebiete seine Dienste anbietet. Oft sagen mir die Bilder nichts. Diesmal war das anders.
Eigentlich mag ich Seiten nicht, wo ich ungefragt mit Musik begrüsst werden. In der Regel gibt es dann zwei Verhaltensweisen. Ich schliesse die Seite direkt wieder oder, wenn mich irgendetwas doch länger als einen Wimpernschlag bleiben lässt, suche ich den “Stop”-Button. Ich suche mir lieber selbst aus, was ich gerade hören mag, was zu meiner Stimmung passt, was ich mag. Diesmal war das anders.

Ich habe die Adresse in meine Browserzeile getippt, das erste Bild in der Slideshow angesehen und damit war ich angekommen. Angekommen in einer Welt, die so kitschig schön und sanft und liebevoll war, dass ich nicht mehr gehen wollte. Angekommen in einem Lied, das so stimmig war zu dieser Zuckerwattewelt, dass ich nichtmal auf den Gedanken kam, nach dem Stop-Button auf der Seite zu suchen.

Ich habe die verschiedenen Serien angesehen und dabei den Song der Seite einfach weiter in der Endlosschleife laufen lassen. Jedes einzelne Bild erzählt von der Liebe. Von der Liebe zwischen Menschen. In Familien. Von fragilen kleinen Leben, von Vertrauen. Vielleicht ist es das Licht auf diesen Bildern, vielleicht ist es das Lächeln der Menschen.
Vielleicht ist der Schlüssel, warum ich geblieben bin und warum ich euch die Seite nicht vorenthalten wollte, auch ein anderer. Ich glaube, was es eigentlich ausmacht ist die Tatsache, dass ich der Photographin glaube, was sie sieht. Es sind die Menschen auf ihren Bildern, die sich wirklich lieben. Die nicht für die Kamera lächeln. Nicht, weil sie einen Moment konservieren wollen. Sie glauben an die Liebe und das ist es, wovon die Bilder erzählen. Das ist es, was mich erreicht hat. Ich habe für einen Moment wieder daran glauben können, dass es diese Liebe gibt. Das die Welt manchmal für einen Moment ein guter Ort ist. Im Sonnenschein. Mit lachenden Herzen, süss wie Zuckerwatte und rosa Cupcakes. Das mag kitschig sein, aber es gibt diese Tage, da würde ich mir wünschen, die Welt knistert.
Und es gibt noch Photographen, die ihre Bilder nicht wegen des Geldes machen. Sondern weil sie die Liebe sehen und zeigen wollen. Also seht sie euch an. Die Zuckerwattewelt.

Von Strassen und Orten und Zeiten und Pfaden.

19. Februar 2010

Draussen findet der letzte Kampf des Winters statt. Ich kann es sehen und fühlen und riechen und manchmal vielleicht sogar schmecken. Gern würde er noch bleiben, der Winter. Nicht loslassen. Die Stille, die der Schnee brachte, aufrecht erhalten. Aber es wird nicht mehr lange funktionieren. Er hat an Kraft eingebüsst. Die Kälte ist längst nicht mehr so schneidend. Der Wind nicht mehr geschickt genug, den Weg in unsere Kleidung zu finden, über den Nacken den Rücken hinunter, über die Handgelenke die Arme hinauf.

Je näher der Frühling kommt, je weniger er sich aufhalten lässt vom letzten Aufbäumen des Winters, desto mehr kann ich mich an den Sommer erinnern. Wie sich Wärme anfühlt und Sonne. Und wie Erdbeereis schmeckt. Nicht zuletzt, weil ich seit ein paar Tagen durch Buenos Aires laufen kann. Dank percanta, die uns in ihrem Blog für 40 Tage mitgenommen hat. Jeden Tag ein Stückchen Argentinien. Vorgestern ein Bild aus einer Buchhandlung, untergebracht in einem alten Theater. Mon dieu. Diese Kulisse ist unglaublich. Toll.

Toll. Ja. Toll ist noch der Mauspfad. Vor einiger Zeit hab ich ein Bild davon gesehen und irgendwie gefiel es mir. Da wollte ich es auch. Erst hab ich es einfach so im Hintergrund mitlaufen lassen. Schloss es nach ein paar Stunden, manchmal nach ein paar Minuten. Aber irgendwann habe ich angefangen, die einzelnen Stunden, die Minuten, die Zeitfragmente unterschiedlicher Länge zu behalten. Sie anzusehen und mich zu wundern, wie fragil sie sind und was sie für ein scheinbares Eigenleben entwickeln. Die Arbeit am Rechner ist im Grunde genommen ein sich wiederholender Prozess in unterschiedlichen Abfolgen. Man liest seine Emails, beantwortet die ein oder andere. Besucht die unterschiedlichsten Websites, tippt und klickt Dinge. Man verweilt, liest und öffnet die nächste Seite. Ab und zu entsteht Zeug im Illustrator oder man bearbeitet Photos im Photoshop. Aber jedes Abbild aus dem Mousepath sieht anders aus. Jedes ist eigen und erzählt von verschieden langen Pausen, unterschiedlichen Bewegungen der Maus, Verweildauern an bestimmten Stellen. Manchmal finde ich auf den Bildern Positionen wieder und weiss, was an dieser Stelle war. Mein Ebenenfenster im Photoshop, die Werkzeugleiste, das kleine x im Browser. Die Stelle, wo mein Winamp für die musikalische Untermalung sorgt. An manchen Tagen, da gibt es sie einfach nicht, die richtige Musik. Das wird jetzt sichtbar. Weil ich weiss, wo mein Winamp überwiegend auf dem Monitor positioniert ist. Das alles wird zu den Orten, an die die Maus regelmässig zurückkehrte. Orte, die ein verworrenes, scheinbar chaotisches Muster in den Pfadlinien hinterlassen. So lassen sich Minuten, Stunden oder Tage am Rechner rekonstuieren. Auf eine seltsame Art. Ich mag das. Mir gefallen die unterschiedlichen Muster die so entstehen. Die langsamen Tage unterscheiden sich von den schnellen, hektischen Tagen. Die langsamen Tage haben viele grosse Punkte. Denn die entstehen, wenn die Maus ruht. Je länger, desto mehr schwillt der Punkt an. Die hektischen Tage und Stunden, die sind voll feiner Linien, kaum Punkte, nur Gewirr. Das kleine Tool für den Pfad hat Anatoly Zenkov gestrickt, in seinem Flickr-Account gibt es hier in den Kommentaren den Download-Link, wahlweise für PC oder Mac.

mousepath

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19. Januar 2010

Während ich kleine Kringel und seltsame Gebilde auf den Zettel male, Kurven ziehe und Linie verbinde, höre ich dir zu. Wie du vom Studio und dem Umbau redest. Ramoni hat die 2. Etage ausgebaut, neue Tätowierer eingestellt. Mein Entwurf hängt über seinem Zeichentisch und ich erinnere mich an die kleinen Vorlagen und wie lange ich gesucht habe, bis ich fand, was ich wollte. Die Einzelteile, die ich mir wünsche. Für mein Handgelenk, direkt auf den Puls, da soll es hin. Ich wollte den Termin gut vorbereitet wissen, keine Zeit verlieren, nicht lang erklären und beschreiben, wie die fertige Tätowierung in meinem Kopf aussieht. Eines Tages war es da.
Ich bin morgens aufgewacht und wusste, wie es aussehen wird. Jetzt rückt der Tag näher, die Planung wird konkreter. Noch immer ist dieses Bild in meinem Kopf. Wenn ich auf mein Handgelenk sehe, auf den Puls, auf die Adern und Sehnen, die Linien und diese feinen Prägungen, dann ist es, als wäre sie schon lange da. Die Tätowierung, die ich eigentlich nie wollte. Früher war klar, ich würde mich nicht an solch gut sichtbaren Stellen tätowieren lassen. Aber früher ist lange her, früher war vieles anders. Die Entscheidung, solche Positionen für die Farbe auszulassen, hat heute keinen Bestand mehr.
Das es jetzt näherkommt, macht mich nervös. Dieses Gefühl ist seltsam. Eine Mischung aus Vorfreude und Panik. Ich kann mich an jede einzelne Tätowierung erinnern. An jeden einzelnen Tag im Studio. An das Geräusch und an das Rauschen des Adrenalins. Ich weiss, mein Puls und die Tätowiermaschine, das wird kein Spass. Aber die anderen Stellen waren auch nicht die erste Wahl, wenn man es möglichst schmerzfrei halten möchte. Wenn, dann richtig. Das war immer so und wird es vermutlich auch bleiben.

Rettungsanker für Haiti

15. Januar 2010

Manchmal ist es so einfach, wenigstens ein bisschen was zu tun. In diesem Sinne:

Mexico, immernoch beinah.

8. November 2009

Der Vollständigkeit halber geht es hier erstmal noch mit Photos aus Beinahmexico weiter. Irgendwann wird es auch die Tage mit den Wörtern wieder geben, bis dahin bleibt es erstmal bei Bildern.

II

I

III

IV