.oO(…)
19. Januar 2010Während ich kleine Kringel und seltsame Gebilde auf den Zettel male, Kurven ziehe und Linie verbinde, höre ich dir zu. Wie du vom Studio und dem Umbau redest. Ramoni hat die 2. Etage ausgebaut, neue Tätowierer eingestellt. Mein Entwurf hängt über seinem Zeichentisch und ich erinnere mich an die kleinen Vorlagen und wie lange ich gesucht habe, bis ich fand, was ich wollte. Die Einzelteile, die ich mir wünsche. Für mein Handgelenk, direkt auf den Puls, da soll es hin. Ich wollte den Termin gut vorbereitet wissen, keine Zeit verlieren, nicht lang erklären und beschreiben, wie die fertige Tätowierung in meinem Kopf aussieht. Eines Tages war es da.
Ich bin morgens aufgewacht und wusste, wie es aussehen wird. Jetzt rückt der Tag näher, die Planung wird konkreter. Noch immer ist dieses Bild in meinem Kopf. Wenn ich auf mein Handgelenk sehe, auf den Puls, auf die Adern und Sehnen, die Linien und diese feinen Prägungen, dann ist es, als wäre sie schon lange da. Die Tätowierung, die ich eigentlich nie wollte. Früher war klar, ich würde mich nicht an solch gut sichtbaren Stellen tätowieren lassen. Aber früher ist lange her, früher war vieles anders. Die Entscheidung, solche Positionen für die Farbe auszulassen, hat heute keinen Bestand mehr.
Das es jetzt näherkommt, macht mich nervös. Dieses Gefühl ist seltsam. Eine Mischung aus Vorfreude und Panik. Ich kann mich an jede einzelne Tätowierung erinnern. An jeden einzelnen Tag im Studio. An das Geräusch und an das Rauschen des Adrenalins. Ich weiss, mein Puls und die Tätowiermaschine, das wird kein Spass. Aber die anderen Stellen waren auch nicht die erste Wahl, wenn man es möglichst schmerzfrei halten möchte. Wenn, dann richtig. Das war immer so und wird es vermutlich auch bleiben.
