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19. Januar 2010

Während ich kleine Kringel und seltsame Gebilde auf den Zettel male, Kurven ziehe und Linie verbinde, höre ich dir zu. Wie du vom Studio und dem Umbau redest. Ramoni hat die 2. Etage ausgebaut, neue Tätowierer eingestellt. Mein Entwurf hängt über seinem Zeichentisch und ich erinnere mich an die kleinen Vorlagen und wie lange ich gesucht habe, bis ich fand, was ich wollte. Die Einzelteile, die ich mir wünsche. Für mein Handgelenk, direkt auf den Puls, da soll es hin. Ich wollte den Termin gut vorbereitet wissen, keine Zeit verlieren, nicht lang erklären und beschreiben, wie die fertige Tätowierung in meinem Kopf aussieht. Eines Tages war es da.
Ich bin morgens aufgewacht und wusste, wie es aussehen wird. Jetzt rückt der Tag näher, die Planung wird konkreter. Noch immer ist dieses Bild in meinem Kopf. Wenn ich auf mein Handgelenk sehe, auf den Puls, auf die Adern und Sehnen, die Linien und diese feinen Prägungen, dann ist es, als wäre sie schon lange da. Die Tätowierung, die ich eigentlich nie wollte. Früher war klar, ich würde mich nicht an solch gut sichtbaren Stellen tätowieren lassen. Aber früher ist lange her, früher war vieles anders. Die Entscheidung, solche Positionen für die Farbe auszulassen, hat heute keinen Bestand mehr.
Das es jetzt näherkommt, macht mich nervös. Dieses Gefühl ist seltsam. Eine Mischung aus Vorfreude und Panik. Ich kann mich an jede einzelne Tätowierung erinnern. An jeden einzelnen Tag im Studio. An das Geräusch und an das Rauschen des Adrenalins. Ich weiss, mein Puls und die Tätowiermaschine, das wird kein Spass. Aber die anderen Stellen waren auch nicht die erste Wahl, wenn man es möglichst schmerzfrei halten möchte. Wenn, dann richtig. Das war immer so und wird es vermutlich auch bleiben.

Rettungsanker für Haiti

15. Januar 2010

Manchmal ist es so einfach, wenigstens ein bisschen was zu tun. In diesem Sinne:

Mexico, immernoch beinah.

8. November 2009

Der Vollständigkeit halber geht es hier erstmal noch mit Photos aus Beinahmexico weiter. Irgendwann wird es auch die Tage mit den Wörtern wieder geben, bis dahin bleibt es erstmal bei Bildern.

II

I

III

IV

Auf der Reise

16. Oktober 2009

…zu einem Ort, der beinah aussah wie Mexico.

1

2

3

…dann weiss ich wieder …

11. September 2009

Manchmal, da gibt es diesen kleinen Moment. Wo wir wieder genau wissen, warum wir die Photographie so sehr lieben.

Wir unterhalten uns ab und zu. Gestern erwähnte sie ein altes Photo. Entstanden vor 8 Jahren. Natürlich, ich frage nach. Bei Photos frage ich immer nach. Ich würde es gern sehen.  Wir plaudern noch ein wenig und heute bekomme ich eine Mail. Sie hat den Abzug einscannen lassen, schreibt, es wäre ja nichts grossartiges, sie habe eh keine Ahnung von Photographie.
Aber einen Rückschluss habe ich längst ziehen können aus den Sätzen, die wir ab und zu über Twittern wechseln. Über das, was sie ab und zu sagt, in 140 Zeichen. Ein Mensch, der sich seiner Emotionen bewusst ist, es aushält, sich ihnen zu stellen und sie zuzulassen. Das war der Eindruck, den ich bisher gewann.

Vielleicht habe ich das Photo deswegen sehen wollen. Weil ich geahnt habe, es würde eines dieser Bilder sein, für die wir alle photographieren. Ich öffne es und meine Einschätzung bestätigt sich.
Ich habe den Anhang geöffnet und dafür öffnete sich mir eine ganze Geschichte. Eine Erzählung in einem einzigen Photo. Es ist ein sehr persönliches Bild und sie bat darum, es nicht zu veröffentlichen. Weil sie es der abgebildeten Person versprach. Daran halte ich mich. Deswegen zeige ich es euch nicht. Obwohl ich gern würde.

Es ist eine zaghafte, schüchterne Annäherung. Als Betrachter stehen wir hinter einer jungen Frau. Im Halbdunkel eines noch sehr frühen Morgens. Vielleicht einer beginnenden Nacht. Sie hält den Kopf leicht gesenkt, das Licht einer einzelnen Stehlampe legt einen sanften Bogen von ihrem Nacken über die Wölbung ihrer rechten Schulter. Die Haare sind dunkel, ein klassischer Bob. Der Schwung der Strähne an der Seite lässt erahnen, wie sie die Haare manchmal hinter das Ohr schiebt. Über ihre linke Schulter sehen wir in eine Fensterscheibe, die Dunkelheit draussen erlaubt eine Spiegelung ihres nackten Oberkörpers. Ihr Gesicht bleibt sanft im Verborgenen, das wenige Licht lässt die Konturen und ihr Profil erahnen, über ihren Brüsten liegt eine weiche Unschärfe. Aber die Form ihres Körpers, ihre Haltung, das alles erzählt uns von einer Nähe, einer Vertrautheit, einem unbeobachteten Moment, wo sie sich nah und beieinander waren.

Dafür liebe ich die Photographie. Für diese Momente, für diese Einblicke die wir manchmal so unverhofft bekommen. Für die Bilder, für die Geschichten. Ich werde jetzt noch vorsichtig ein paar der unpassenden Fussel retouchieren, die ein unachtsamer Scan in einem Photoladen auf dem Bild hinterliess. Danach schicke ich es ihr zurück und lösche das Original von meiner Platte. Denn diese Geschichte, die gehört mir nicht. Aber ich bin froh, das ich sie ansehen konnte.