Snicksnack

Wenn man koffeeinunterversorgt nachdenkt, kann man sich sogar den bestürzend gruseligen Büroalltag erträglich gestalten. Jedenfalls kurz.
Wenigstens dann, wenn man über Auslandskontakte verfügt. In meinem Fall bewegen sich in schöner Regelmässigkeit Musterteile, Dokumente und Ähnliches unter anderem auf der Flugroute zwischen meinem Büro und Bangladesh, Indien, China, Pakistan.

Seit kurzem nutzen wir diesen regelmässigen Kontakt zum Austausch von kleinen Snacks/Candy. Inzwischen finde ich also die Pakete aus den Büros ‚drüben‘ richtig interessant. Meist entbrennt ein fast kindliches Gerempel um den ersten Blick in die Verpackungen. Es lohnt sich. In der Tat.

Die erste Begegnung der ausgesprochen kleberigen Art :
Mango Bar‚.

mangobar

Diese würfelige, kleberige und unerträglich süsse Masse befindet sich geschmacklich irgendwo auf Höhe einer Kreuzung aus Trockenobst und überfahrenen Gummibärchen. Die Riegel sind einzeln verpackt, eckig und behalten auch bei nachdrücklichem Geschlabber und Geschüttel beeindruckend konsequent ihre Form. Ich vermute, bei der Herstellung entsteht ein wolkenkratzergrosser Klotz dieser Masse, der dann in die entsprechenden Riegel zurechtgeschnitten wird. Wenn man ihn anrempelt, wird er vermutlich für Tage zittern und beleidigt vor sich hin wanken und glibbern.
Die Konsistenz scheint bei der Einfuhr am Zoll übrigens Verdacht erregt zu haben, die eventuelle Ähnlichkeit zu Plastiksprengstoff hat sie auf jeden Fall veranlasst, das Paket zu öffnen und genauer zu inspizieren. Gefehlt hat allerdings kein Riegel, soviel Arsch in der Hose um das Zeug zu probieren hatten die Zöllner dann wohl doch wieder nicht. Harr, Memmen, ihr!

Im letzten Paket von heute nun : Stufe 2.
Der erste ausgepackte Riegel vermeldet ‚Peanut Bar‚. Da war die Definition dann kein Problem. Der Peanut Bar erwies sich als ein südasiatisches Pendant zu ‚Uncle Tom‘ Erdnussriegeln. Konsistenz fest, Geruch völlig unbedenklich und für europäische Geschmacksknospen gut verträglich, ein klarer Wiedererkennungswert, der Gaumen vermeldet ‚Jau, kenn ich. Honig. Zucker. Erdnüsse. Alles in Ordnung

So motiviert zerren wir die weiteren kleinen Pakete interessiert aus der Verpackung. 3 kleine Tütchen erblicken das Neonlicht der Bürowelt.

snicksnack

Hier wird die Definition, worum es sich handelt, schon schwieriger. Die indischen Schriftzeichen entziehen sich jeglicher Lesbarkeit, der englische Kurztext ist spärlich. Nach einiger Recherche ergibt sich folgende Erkenntnis : Tüte 1 beinhaltet vermutlich gepufften und in Curry gerösteten Weizen. Tüte 2 kommt inhaltlich mit Mungosprossen daher. Behandlung irgendwo zwischen Röstung und Aufpuffen. Der englische Kurztext vermeldet unter anderem die Verwendung von Red Chili und Pepper. Ah.
Tüte 3 kommt mit den bekannten Erdnüssen daher. Ummantelt. Mit einer undefinierbaren knackig-festen Masse. Der Gewürzmischungstipp von Tüte 2 hätte uns vorsichtig werden lassen sollen. Aber nein. Warum auch. Immer rein in den Schädel.
Es knackt und knuspert erfreulich bei den ersten Bissen. Sekunden später bereue ich meinen Optimismus. In meinem Mund entbrennt im wahrsten Sinne des Wortes ein geschmackliches Inferno. Mir wird schlagartig unfassbar heiss, die Sensorik im Mund brüllt verzweifelt nach Feuerwehr, Sondereinsatzkommandos, Löschfahrzeugen. Ich würde meine Zunge gern in einen Eimer mit Eiswürfeln hängen. Holy shit. Dummerweise muss ich das gerade extrem lustig finden. Husten, Lachen und um Luft ringen gleichzeitig, während einem die gesamte Mundhöhle in Flammen steht, empfiehlt sich nicht wirklich. Davon wird es nämlich leider alles andere als besser.

Ich kann allerdings zur allgemeinen Beruhigung vermelden : Nach etwa 2 Stunden war ich wieder in der Lage, Kaffee von Wasser geschmackssicher zu unterscheiden, auch Augen hören irgendwann auf nur verschwommen die Umwelt wahrzunehmen, nach wiederholtem Nase putzen stellen die Schleimhäute die Rotzproduktion wieder ein. Kurz, irgendwann fühlt man sich tatsächlich unerwartet besser.

Wir werden diesen Austausch natürlich weiter betreiben. Da mir ja eure Unterhaltung und der Bildungsanspruch meines Blogs am Herzen liegen, erzähle ich euch auch davon. Kinners, hier wird euch was geboten. Unter Einsatz der Geschmacksnerven teste ich für euch die Welt der Snacks.

To be continued….

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