Milchzahn

Heute ist so ein Tag. Einer aus Gummi. Zähflüssig. Klebrig. Die Gespräche hier, dumpf. Wie immer. Aber sie fräsen sich vehementer in mein Hirn, kratzen an den Wänden meiner Gehörgänge, spielen auf meinen Nervenbahnen Harfe, zupfen an ihnen.

Mir fehlt der Input.
Heute ist so ein Tag. Einer, an dem ich mich gern mit dir unterhalten würde. Diesem Tag einen Sinn geben würde. Wortspiele, kleine Albernheiten, spielerisch leichte Wechsel auf diese Art Gespräche, an die man sich noch lange erinnert.
Es gibt viele von ihnen, sie alle klingen in meinem Kopf nach. Ein leises, weiches Echo.

Heute ist so ein Tag. Einer, an dem ich darüber nachdenke, warum das so ist. Ich verstehe es immernoch nicht. Und ich will es immernoch nicht so haben. Da ist eine Lücke, die sich falsch anfühlt. Mir fehlt etwas in meinem Leben von dem ich nicht verstehe, warum es weg ist.

Heute ist so ein Tag. Einer, an dem ich immer mal wieder innehalte, es wiederhaben will, mich frage, warum das so ist.

Es ist wie damals, als Kind, wenn man plötzlich eine Zahnlücke hatte. Und man nicht aufhören konnte, mit der Zunge diese Lücke zu erkunden, zu befühlen, zu staunen. Immer wieder stösst man an dieser Stelle an.
Ich will meinen Milchzahn sofort zurück, verdammt.

3 Reaktionen zu “Milchzahn”

  1. lightdot

    Das ist jetzt echt seltsam, bei Dir diesen Text zu lesen. Ausgerechnet heute. Ich hatte mich vor ein paar Wochen mit jemandem verkracht, mit dem ich eigentlich gar nicht verkracht sein will, aber manchmal passieren halt die Dinge, weil sie passieren müssen und nicht weil man sie passiert haben will. OK, weiter. Jedenfalls sind wir beide Dickköpfe genug, um uns in solchen Situationen einfach stur zu stellen und daher war jetzt mal wieder wochenlang Sendepause. Obwohl ich weiß, dass dieser Mensch es auch nicht will und er weiß, dass ich genausowenig. Tja.

    Heute Morgen bin ich aufgewacht und meine ganz persönliche Milchzahnlücke gefühlt. Das war schon fast wie mit ganz ohne Gebiss und dann mir gedacht: Was sind wir doch bloß für Idioten. Und habe eine Mail geschrieben und verschickt (was ja auch nicht selbstverständlich ist). Und 2 Stunden später kam die Antwort und danach noch 3-4 Mails gewechselt. Und irgendwie scheint jetzt alles wieder OK zu sein, als wäre nichts passiert. Die Sonne scheint draußen und der Kaffee schmeckt auch besser. Und dann lese ich das da oben. Vielleicht ist heute wirklich so ein Tag…

  2. Nika

    vielleicht ist es wirklich so, Judith. Vielleicht gibt es Tage, die solche Stimmungen in sich tragen. Schön, dass dein Tag noch besser wurde. Das deine Antwort kam.
    Ich habe die Frage nicht verschickt, weil ich Angst vor dem Schweigen habe. Ein Schweigen, dass nicht so definitiv und laut ist, birgt noch Hoffnung, dass es irgendwann aufhört. Und ich würde mir wünschen, dass das Schweigen irgendwann ein Ende hat.

  3. lightdot

    Das wünsche ich Dir auch, Nika.

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