Unerwartet

Aus dem Lautsprecher tropft seit Stunden das selbe Stück. Immer und immer wieder. In meinem Kopf ziehen seit Tagen die selben Fragen ihre schwerfälligen Kreise. Wie Nebelfäden über den Feldern. Immer und immer wieder.

Ich weiss nicht, wann der Moment war, als du mir so fremd geworden bist. Irgendwann ist es mir aus den Händen geglitten, still, heimlich und schleichend. Und ich habe es nichtmal gespürt. Habe nicht gespürt, wann dieser Moment war. Jetzt würde ich dir viel lieber erzählen, was in meinem Kopf vor sich geht, was mich die letzten Tage und Wochen beschäftigt hat. Aber ich kann es nicht. Ich finde die Worte nicht.

Wenn einem jemand plötzlich und unerwartet so fremd geworden ist, kann man solche Dinge nicht einfach in eine Schachtel verpacken und ihm vor die Tür legen. So würde es sich anfühlen, ich erreiche dich einfach nicht mehr. Nicht, weil du mich nicht lassen würdest. Nur, weil ich es nicht kann. Und ich weiss nicht, warum.

Wenn ich versuche, dieses Gefühl zu ignorieren, stolpern die Worte, verhaken sich, verblassen einfach. Wieder bleibe ich wortlos und schweigend zurück. Gebe Erklärungsansätze, Formulierungen und Fragmente auf, um wieder mit leeren Satzhüllen in den Händen dort zu sitzen, mir selbst im wortlosen Schweigen zusehend.

Vielleicht wird man einander nur so fremd, verliert die Worte und entfernt sich schweigend, wenn man sich für einen Moment zu nah gekommen ist.

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