Von Menschen und Tönen

Manchmal, da sagen einem Menschen schöne Sätze. So wie vor wenigen Minuten. Da hat mir jemand gesagt: „Das alles lässt mich einen Ton summen, der mir gefällt und der durch allen Ärger und Schmerz mein Leben bestimmt.

Ich mag diesen Satz. Diese Vorstellung, dass jeder Mensch einen Ton hat, der ihn begleitet. Den man mit sich trägt. Vielleicht kann man nur manchmal diesen Ton, das Summen, die Frequenz in der man selber schwingt, einfach nicht mehr hören. Weil es Innendrin knirscht und knistert und Scherben leise klirren. Vielleicht braucht es Zeit, bis man gefegt hat und die Scherben beiseite geräumt hat. Damit da wieder Platz und Raum für Resonanzen ist. Für die Harmonien in den Tonfolgen.

Ich mag den Gedanken, dass Menschen ein bisschen wie Instrumente sind. Manche haben ganz ähnliche Töne und Frequenzen, schwingen und ergeben eine harmonische Tonfolge, manche vielleicht sogar eine Melodie. Aber eben nicht alle. Eine zeitlang kann man glauben, man müsse nur genau hinhören, sich einlassen auf das leise Summen des Anderen. Aber ab und zu verliert man wohl den eigenen fragilen Ton darüber, wenn man sich zu sehr bemüht, es zu sehr glauben will. Dann wird es still im Inneren, wenn es zerbricht, Scherben bleiben und ihr Knirschen das eigene Summen übertönt hat.

In mir ist es still, es klingt nichts. Es ist still und da ist nur noch dieses Knirschen, wenn ich auf die Scherben trete. Und die tun weh. Sie haben scharfe Kanten und ich schneide mich eins um andere Mal, wenn ich sie aufheben und wegräumen will.
Was aber im Umkehrschluss wohl auch heisst, man kann das. Man kann sie wegräumen. Sie gehen weg. Irgendwann. Irgendwie. Und das gefällt mir. Weil ich sie nicht haben will.

Zu der Vorstellung, dass Menschen Töne haben, passt dann wohl abschliessend Musik ganz gut.
I am Kloot – Avenue of Hope. Das mag ich zur Zeit sehr.

Along the avenue of hope
the footsteps falter, the fingers grope
and days, stretch out, beneath the sun.
No-one’s born, and no-one dies, no-one loves, so no-one cries
and we wait to see just what we will become

Don’t let me falter, don’t let me ride.
Don’t let the earth in me subside.
Let me see just who I will become.

2 Reaktionen zu “Von Menschen und Tönen”

  1. lightdot

    Ich glaube, die meisten Menschen – auf jeden Fall die, die ich anziehend und interessant finde – tragen nicht nur einen Ton, sondern Synphonien und Orchesterkonzerte in sich. Das ist es, was uns durch verschiedene Zeiten und Stimmungen hilft und trägt.

    Die Musik ist sehr schön, ich kannte sie noch nicht, danke.

  2. aebby

    der Gedanke mit den Tönen gefällt mir. Es ist vielleicht wirklich mehr wie ein Ton, eine Melodie vielleicht … ich glaube nicht, dass es in einem selbst wirklich still wird, man hört es vielleicht nur nicht. Andere können es dennoch hören – so habe ich es zumindest erlebt. Und die Scherben … die lassen sich wegräumen, mit der Zeit sind sie auch nicht mehr so scharf, dann geht auch das Wegräumen besser

    lg Aebby

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