ink me, baby.

Manchmal verschwindet es für kurze Zeit. Dann sinkt es hinab im Morast der Erinnerungen und Details. Aber jetzt weiss ich wieder, worauf ich mich eingelassen habe. Ich weiss es, seit ein paar Tagen. Ich weiss, das ich Ja zu dir gesagt habe. Gesagt habe, ich würde mitgehen. Mir ein bisschen von der gebuchten Zeit gewünscht habe.

Deine Stimme am Telefon klang belustigt. Ich weiss, wie dieses Zwinkern aussieht, das durch den Hörer rutscht und mich anstupst. Ja, du hast ja Recht. Ich war wirklich kurz erschrocken. Es ist schon so bald. Ich habe geglaubt, ich würde mehr Zeit bekommen mich darauf einzurichten. Aber es ist nicht mehr lange hin. Dann werde ich wieder all meinen Mut zusammen nehmen müssen, mich auf das Rauschen des Adrenalins in meinen Adern einzulassen.

Aber ich weiss genauso gut, dass ich es tun muss. Ich kann nicht anders. Obwohl ich den Moment immer wieder fürchte. Mein Herz wird so schnell und heftig schlagen, dass ich das Gefühl habe, all meine Kraft für diesen Herzschlag zu brauchen. Meine Knie werden weich werden, weil für die Beine keine Kraft mehr da sein wird. Vielleicht wird meine Hand nach deiner suchen, wie schon so oft. Still und heimlich, nur für einen Augenblick. Damit ich sicher sein kann, das es richtig ist, was ich tue. Damit ich sicher sein kann, das du noch immer bei mir bist.

Der vertraute Geruch, der das Adrenalin in meinem Körper wogen und Wellen schlagen lassen wird, findet sein Weg dann wieder in meine Nase. Ich weiss, dass mein Gehör angestrengt nach dem Schwarm wütender Hornissen suchen, darauf warten wird. So werden wieder alle Sinne beschäftigt sein, während die Anspannung steigt. Bis zu dem Moment, wo ich mich dem Rauschen des Adrenalins überlasse, versuche über diese ganz eigene Art von Schmerz, wenn sich die Nadeln in meine Hautschichten bohren, das Atmen nicht zu vergessen.

Es ist an der Zeit, es sichtbar zu machen. Diesen Abschnitt farbig unter den Hautschichten zu tragen. Für jetzt, für immer und für alle Tage. Irgendwann wird die Geschichte auf meiner Haut zu Ende erzählt sein. Aber bis dahin wird es diesen Moment wohl noch öfter geben. Obwohl ich jedesmal denke ‚Das tust du nie wieder‘. Jedesmal, wenn die Nadeln meine Haut durchdringen, die Farbe in die Schichten einlagern. Jedesmal, wenn das Blut in kräftigroten Tropfen langsam hervorquillt, in feinen Bahnen Muster und Schlieren auf meiner Haut hinterlässt. Jedesmal, wenn sich das Geräusch der Tätowiermaschine so ungefiltert in meinen Gehörgang schraubt. Jedesmal, wenn der Schmerz mir für einen kurzen Augenblick die Luft zum Atmen nimmt. Jedesmal, wenn ich mich so sehr konzentrieren muss um fest daran zu glauben, das es gleich vorbei sein wird.

Aber auch diesmal wird es keine Tränen geben. Es gab sie nie und ich habe mir geschworen, dass er sie nie von mir sehen wird. Auch wenn ich bestimmt noch ein paar Tage brauchen werde, um selbst zu glauben, das ich es ohne Tränen schaffen werde. Ich kenne die Stelle gut, ich weiss wie es sich anfühlen wird.

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