Schneeschwer

Sie haben gesagt, der Schnee wird kommen. Vielleicht noch heute Abend. Vielleicht heute Nacht.
Ich warte seit Tagen auf den Schnee. Seit vielen Tagen. Weil er in mir schon gefallen ist. Der Schnee. Langsam. Ganz leise. Ganz still. Ganz ohne ein Geräusch. Niedergelegt auf mein Herz hat er sich. Innendrin. Vor vielen Tagen. Jetzt sehe ich jeden Abend hinauf in die Wolken, die schwer und bleiern am Himmel hängen. Nicht ziehen wollen. So wie ich nicht ziehen wollte.
Jetzt sehe ich jeden Abend hinauf in die Wolken und warte darauf. Darauf, dass der Schnee endlich fällt.
Das der Schnee endlich fällt und Aussen wieder zu Innen passt. Damit es draussen weiss und kalt ist. Die Welt verdeckt und still wird. So wie mein Herz bedeckt ist und still. Mit diesem Schnee, der fällt, im Inneren, wenn das Gefühl erkaltet und das Herz blass und ruhig zurückbleibt. Bedeckt mit diesem Schnee der fiel. Vor Tagen. Vor Wochen. Ich hab dem Schnee zugesehen, wie er fiel. Wie die einzelnen Flocken mein Herz bedeckten. Anfänglich waren es viele Flocken. Grosse Flocken. Sie wirbelten in einem zarten Sturm umher, wütend manchmal. Zornig manchmal. Aber die Wut ging, hinausgespült aus mir. Dann wurde es still und leise fielen die Flocken. Stetig immer weiter. Bis sie mein ganzes Herz bedeckt hatten. Das so blass und still da lag. Nicht mehr warm und pulsierend genug war sich gegen den Schnee zu wehren. Ich hab zugesehen und konnte den Schnee nicht aufhalten. Den Schnee, der es weiter abkühlte bis es ganz steif und gefroren war. So kalt und gefroren, dass auch deine Stimme nicht mehr in der Lage war, es zu wärmen. Da mochte ich den Schnee. Weil er Schutz war. Für mein Herz. Weil ich nicht mehr selber hätte entscheiden wollen, ob ich dich noch einmal in die Nähe meines Herzens lassen will.
So sehe ich wieder hinauf in den Himmel. Sehe den Wolken zu, wie sie langsam und noch immer bleischwer über den Himmel ziehen. Sehe den Wolken zu, wie sie den Schnee tragen. Warte darauf, dass er endlich fällt. Die Welt bedeckt und still werden lässt. So still wie mein Herz. Dessen Schlagen ich unter dem Schnee wohl aufgehört hat und ich es nicht mehr hören kann. Nur das Knistern des Schnees, das kann ich hören. Jetzt warte ich auf den Schnee. Und irgendwann, da werde ich wieder anfangen, auf den Frühling zu warten. Der den Schnee irgendwann antauen wird. Bis er vielleicht wieder schmilzt. Und ich hinaussehen und darauf warten werde, dass auch da draussen der Schnee wieder schmilzt.

Eine Reaktion zu “Schneeschwer”

  1. FrauVivaldi

    Lassen Sie den Frühling kommen. Es lohnt sich. Lieber Herzweh als eiskalt.

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