Labordilletanten

Die Auftragssuche im Netz teilt mir freundlich mit, meine Entwicklung ist erfolgreich erfüllt, ich kann den Film abholen.

Vielen Dank, gerne doch. Als ich den Umschlag aus dem Regal fingere, breitet sich leise Nervosität aus. Jetzt wird sich zeigen, ob die Kamera an einem Lichteinfall leidet, verwundet oder ernsthaft verletzt ist. Ob das Licht sich einen Weg hinein sucht, der so nicht geplant ist. Ober ob es sich um einen Labordilletanten gehandelt hat, der den letzten Film versaut hat.

Ein wenig zögerlich werfe ich einen Blick auf das erste Bild. Nichts. Kein Streifen. Keine Schlieren. Nichts, was nicht auf das Photo gehört. Erste Erleichterung. Genug Mut für das zweite Bild. Wieder nichts. Kein Streifen. Keine Schlieren.

Selten war ich so froh über einen LaborantendieSau, in diesem Fall bin ich es. Heisst es doch, der Kamera geht es gut. Aufatmen. Grosses Aufatmen sogar.

Während ich die Bilder in den Händen halte, freue ich mich über die Ergebnisse. Unerwartet schöne Stücke dazwischen, der richtige Moment, der richtige Schnitt. Ja, der Film fühlt sich wieder richtig an.

Es gibt immer wieder Phasen, wo der Zweifel so gross ist. Wo nichts gelingen will. Wo ich nicht zeigen kann, was der Grund für ein Bild war. Dieser Film ist anders. Er ist wieder näher herangerückt an das, was ich will. Wie ich es will.

Der Zweifel gehört wohl dazu. Dann verschont er niemanden, kriecht ungebeten in Eingeweide und Köpfe. Dort nistet er sich wohlig ein, so sehr man auch versucht, ihn zu verscheuchen. Einige behaupten, er sei oft der Antrieb. Das, was uns weitermachen lässt. Was einen anspornt, sich zu bewegen, zu suchen und sich, seine Sichtweisen und somit die Bilder immer und immer weiter zu verändern.

Aber mein Zweifel gehört mir. Mein Zweifel ist ein ganz eigener. Mein Zweifel hat keinen Antrieb im Gepäck. Mein Zweifel kommt nicht zu Besuch, läutet fröhlich an der Tür und er trägt kein Vertreter-Koffer voller Varianter und neuer Möglichkeiten bei sich.

Wenn er kommt, in meinen Eingeweiden und in meinem Kopf umherkriecht, dann lähmt er mich. Bis zum Moment des totalen Stillstandes. Dann ertastet die Hand immer wieder die Form der Kamera in der Tasche, das Auge sucht den Halt in Ausschnitten, der eigenen Sicht, in Momenten. Abgleiten, Wegrutschen, beiderseits. Es geht einfach nicht.

Dann braucht es Zeit. Annäherung. Ankommen. Dann muss die Photographie wieder in den Hintergrund treten zu Gunsten des Lebens. Weil das Leben wichtiger ist als seine Dokumentation. Weil es wichtiger ist, in dem Moment zu sein als neben ihm zu stehen und ihn festhalten zu wollen. Wenn ich aufhören kann, darüber nachzudenken, findet die Hand den Halt an der Kamera wieder und der Blick verharrt ruhiger im Sucher. Aber das gelingt mir nicht auf Kommando, nicht dann, wenn ich es will. Etwas, dass ich wohl noch lernen muss, sollen die Bilder sich weiter und weiter verändern.

Einen Kommentar schreiben