re:loaded

Eigentlich wollte ich ein Backup vorbereiten. Es gibt so vieles auf der Platte, dass es wert ist, mal wieder irgendwo gesichert und haltbar gemacht zu werden. Mit der Zeit sammeln sich Bilder, unveröffentliche Blogeinträge, Links und Musik wie Staubfusseln in den unmöglichsten Ecken der verschiedenen Partitionen.
So bin ich gewandert, suchend und sichtend, um etwas Struktur in den Datendschungel zu bringen. Manchmal auch, um Dinge zusammenzuführen, die für mich im Gefühl einfach zusammen gehören. Gemeinsam an einem Ort gespeichert sein sollten.
Deswegen würde ich gern den ein oder anderen alten Eintrag, der den Weg bisher, manchmal aus Gründen, die heute keinen Bestand mehr haben, nicht gefunden hat, hier ablegen.
Da wäre diese kleine Begegnung in Budapest, die ich ungern vergessen würde. Die Nacht in Budapest ist hier, sie war dunkel und manchmal bedrohlich. Vielleicht braucht das Dunkel einen Ausgleich. So soll es sein.

Heute ist Prinzessinnen – Tag. Wir sind soviel gelaufen. Durch diese Stadt, in sie hinein, mittendurch, mit ihr.

Wir fühlen uns als Touristen und erlauben uns daher den Besuch des Gellert-Bades. Entspannung winkt und das fühlt sich so richtig an wie nur irgendwas. Wir lassen das Hotel hinter uns, suchen ein Taxi.

Taxifahren in einer fremden Stadt ist wunderbar. Du schlüpfst in ein Fahrzeug und tauchst ein in eine eigene kleine Welt. Reihst dich ein in den Fluss, in die Bewegung in einem abgeschlossenen Raum wo du für nichts verantwortlich bist. Nur sitzen, schauen und im besten Fall zuhören.

Unser Fahrer lacht über unser Ziel. Typisch Touristen. Sieht uns prüfend im Rückspiegel an. Zögert einen Moment. Lächelt.
Dann erzählt von den vielen Bädern. Bietet an, uns auch zu jedem anderen Bad zu bringen. Das Gellert sei groß, touristisch und eigentlich viel zu teuer.

In wenigen Minuten kenne ich die Daten sämtlicher Bäder Budapests. Ich weiß, wo die Kinder bevorzugt ins Wasser pullern. Kenne den Platz, wo die Männer sich besonders gern haben. Wenn ich Schach im Wasser spielen möchte mit Rentnern, weiß ich nun auch dafür das richtige Bad.
Er ist lebhaft, gestikuliert während er erzählt, lacht viel.

Irgendwann kann ich schon nicht mehr zuhören. Seine Stimme verschwimmt angenehm mit dem Rauschen des Verkehrs, ich betrachte seine strubbligen dunklen und dichten Haare die an einigen Stellen langsam Grau werden. Sein Alter kann ich nicht schätzen, noch immer trägt er die dunkle Sonnenbrille, die seine Augen verdeckt. Sein Gesicht ist markant, schön und nicht glatt.

Dann beginnt er von seinem Sohn zu erzählen. Wie er ihm immer sagt : Im Meer, da darfst du auch reinpullern. Aber nicht in einem Bad. Das tut man nicht. Weil er weiß, das Kinder so etwas schon mal machen und auch die Erwachsenen dazu neigen, wartet er auf den Regen. Dann geht auch er in eines der Bäder. Dann sei es leer und das Wasser gut.

Weil wir uns nicht entscheiden können, bleiben wir bei unserer ersten Wahl und bitten ihn, doch zum Gellert-Bad zu fahren. Wir überqueren eine der vielen Brücken mit ihm. Er kramt in der Seitentasche seine Fahrertür, zieht eine Liste hervor, lacht und fährt mit dem Finger die Liste entlang. So erhalten wir noch die Daten und Jahreszahlen des Brückenbaus.

Am Bad angekommen bezahlen wir ihn für seine Dienste. Als ich neben seiner Fahrertür stehen bleibe und mich für diese schöne und sehr unterhaltsame Fahrt bedanke, nimmt er zum ersten Mal die Sonnenbrille ab. Er sagt, er werde noch ein paar Minuten warten. Falls uns das Bad nicht gefällt, würde er uns an jeden anderen Platz in dieser Stadt bringen. Im letzten Moment bevor ich gehe, lacht er. Und die Sonne reflektiert in seinen dunkelen Augen als er noch sagt „If you are really going to swim, remember to keep your head up and your mouth shut“.

5 Reaktionen zu “re:loaded”

  1. aebby

    ich sitze hier am Schreibtisch, die Kinder sind im Bett, meine Frau ist unterwegs … ich arbeite noch ein wenig. Mein Mailprogramm gibt laut, ein neuer Blogeintrag, froh über die Unterbrechung beginne ich zu lesen und tauche in eine Stadt ein, die ich noch nie selbst gesehen habe, fahre in einem Taxi als stiller Beifahrer mit, warte kurz und wende mich wieder meiner Arbeit zu … danke

    lg Aebby

  2. Nika

    Aebby, das freut mich. Und die Stadt lohnt sich, mir hat sie viel Spass gemacht. ;-)

  3. lightdot

    Na, wenigstens hast Du auch was zu lachen gehabt dort. :-)
    Interessant übrigens, ich bin ein Kind dieser Stadt, war aber nie im Gellért fürdö. Es war viel zu teuer für uns einfache Leute damals…

  4. FrauVivaldi

    ..was für eine schön erzählte schöne geschichte… lg, frauvau

  5. Nika

    Judith, ich hatte ne Menge Spass in deiner Heimat, wirklich. Und ich würde auch jederzeit wieder hinfahren. Ich mochte es wirklich.
    Das Gellert ist hübsch, in der Tat. Aber eben tatsächlich touristisch und es gibt ganz sicher spannendere Ecken in der Stadt.

    FrauVau, vielen Dank ;-)

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