Manch‘ Getränk ist böse.

So ein langes Wochenende will ja ausgenutzt werden. Natürlich. Ab und zu muss man dann angestammte Gefilde hinter sich lassen. Es kann ja nicht dauernd die Lieblingsbar sein. Auch wenn so einiges dafür spricht.
So rauschen die Reifen auf dem Asphalt, der Sektor ist bekanntlich eh nur ein einziger pulsierender Moloch. Es findet sich sogar erstaunlich schnell und nah ein Parkplatz. So laufen wir ein Stück durch die Stadt, erstes Erstaunen nach der letzten Kurve. Wir hatten mit einem Innenhof gerechnet. In Wahrheit stehen die Tische aber lediglich in der Stadt zwischen 2 Häuserreihen. Also kein Innenhof. Na gut. Wir sind ja flexibel.
Der Kellner flaniert hüftschwingend zwischen den Tischen, ignoriert uns aber gekonnt. Gut, wir sind nicht nur flexibel sondern beweisen auch ein gewisses Maß an Geduld. Er besucht dann doch noch, fast schon ganz unerwartet, unseren Tisch, die Hüfte schwingt noch ein wenig nach, er lächelt ein Zahnpastawerbungslächeln. Fragt nach, ob wir nur die Getränke- oder auch die Speisekarte, oder gar beides wünschen.
Wir möchten beides, tatsächlich. Ob wir denn bereits wüssten, was wir trinken möchten. U. lächelt und ordert freundlich vorab eine Cola.
Wäre mein Leben ein Film mit einem zu Übertreibungen neigenden Regisseur, ich bin sicher, am Firmament zögen in diesem Moment dramatische, haushohe Wolken auf. Donner grollte und im Hintergrund zuckten spinnenfädenfeine Blitze.
So aber entgleist unserem ehemals zahnpastalächelnden Kellner lediglich seine Mimik und die vorher so keck nachschwingende Hüfte gefriert in ihrer Position.
In seinem Tonfall schwingt nun eine Mischung aus Vorwurf, Entsetzen und Mitleid. ‚Darauf verzichten wirkeine Cola, keine Fanta, keine Sprite.‚ Er macht eine bedeutungsschwangere Pause, lässt seinen Worten Zeit, uns zu erreichen. U. wirkt für einen Moment fassungslos, bei mir passiert sein Satz mein Humorzentrum, mir bleibt ein Lachen im Hals stecken.
Er nutzt diesen stillen Moment, die Getränkealternativen freudig anzupreisen. ‚Dafür haben wir aber tollen Rote-Beete-Saft und Johannisbeersaft…‚. In seiner Hüfte setzt nun auch das Schwingen wieder ein, der Rest seiner Aufzählung verhallt irgendwo in meinem Gehörgang.
Als er 2 Ginger Ale und gefühlte 2 Tage später dann doch noch die Speisekarte reichen möchte, kann ich mir ein gelächeltes ‚Darauf verzichten wir, Danke.‘ nicht verkneifen, bitte um die Rechnung und wir verlassen diesen seltsamen Ort.

Einen Kommentar schreiben