Quecksilberwelt

Die Welt hat sich verflüssigt. Irgendwann, heute Nacht, die Augen geschlossen, der Atem warm. Da hat sie sich verflüssigt. Wurde weich und glänzend, wie Quecksilber.

Heute morgen, da wollte sie mich nicht aufstehen lassen, die flüssige Welt. Die Grenzen verschwommen, zwischen Traum und Tag. Die flüssige Welt, sie liegt auf meinen Armen, die sich nicht rühren wollen, auf den Füssen, die niemals auf dem Boden ankommen wollen, auf den Lidern, die sich nicht heben wollen.

Irgendwann ging es dann doch, langsam und klebrig, zäh und doch bittersüss. Später im Wagen, die Scheibe verschwunden im inneren der Tür, der Arm im Wind. Die Welt trägt meine Hand, die weichen Fahrtwindwellen sind warm, jetzt nur nicht mehr anhalten. Nicht anhalten. Einfach immer weiter.

9 Reaktionen zu “Quecksilberwelt”

  1. judith

    Klingt so als hättest Du heute Morgen ziemlich viel Kaffee nötig gehabt. :-)
    Und, besser jetzt???

  2. berni

    schwer und hart, wie gegen gummi.
    meist drödelt der ganze tag so vor sich hin.

  3. fotozelle

    Das ist sehr, sehr schön geschrieben, Nika.

  4. nadja

    seit du mir einen deiner texte vorgelesen hast, hab ich das gefuehl, alles von dir geschrieben auch hoeren zu koennen. gut find ich das.

  5. Tanja

    *seufz*
    Da fühle ich mich doch glatt in so eine Märchen versetzt. Kann mich dem Herrn Dita da nur anschließen. Das ist was für die Seele. Quecksilberwelt … ich kann die Farben sehen … ;o)

  6. Nika

    Ihr seid schon manchmal ganz schön süss, alle. Danke.
    =)

  7. aebby

    nachdem das mit dem „süss“ geklärt ist … Quecksilber fließt auf eine ganz eigene Weise, als würde die Zeit nicht im Einklang dahinziehen sondern sich in unterschiedliche Stränge aufteilen …

  8. Stefan

    In den Grenzen unserer Erfahrung küren wir immer den gestrigen Abend erstrebenswert, rückblickend nach einiger Zeit. ;)

  9. Tanja

    Witzig … gestern las ich eine Stelle in einem Buch, die mich sofort an dein Quecksilber erinnerte. Wahrnehmungen sind doch manchmal ähnlich.

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