Last Day in …

Das war er dann also. Mein letzter Tag.
Mein letzter Tag in diesem Büro. Mein letzter Tag in diesem alten, ungewollten, unbefriedigenden und unschönen Büroleben.
Solange habe ich darauf gewartet und dann ging es auf einmal doch so schnell. Plötzlich war er da, dieser letzter Tag.  Für diesen Tag und alle neuen Tage, die darauf folgen, bin ich gut gerüstet.
Die Menschen um mich herum begleiten mich und teilen ihre Freude über die Möglichkeiten, die da kommen werden, mit mir. Begleiten mich mit guten Wünschen und vor ein paar Tagen auch mit einem kleinen Paket. Darin gut verpackt ein Stück von der liebsten Kaloriensünde, eine Karte mit Worten, die mir ein wenig die Wimperntusche ruinierten. Eine kleine Schachtel mit der Aufschrift [meta:morphose]. Darin ein Schlüsselanhänger, ein kleiner silberner Froschkönig. Er solle mich begleiten, mir Bindeglied und Glücksbringer sein.

*

Ich habe heute morgen nicht einschätzen können, wie er werden würde. Ob doch nochmal die Zweifel in mir aufkeimen, ob ich etwas vermissen werde. Ob es sich seltsam anfühlen wird, die privaten Dinge zu verpacken und dieses Leben dort aufzugeben.

*

Den Weg durch den Gang. Durch die Feuerschutztür ins Treppenhaus. Die Stufen hinauf, ins Foyer, leicht links und dann an den Starbucks-Tresen. Ich mag meine Barista, das ist kein Geheimnis. Vom ersten Tag an in diesem Gebäude bildeten sie hinter ihren zarten Kaffeeduftwolken meine Sicherheitszone. Wenn die Zeit unerträglich war, wusste ich dort meinen Fluchtpunkt. Gutgelaunte Menschen, umgeben von Kaffee, die mag ich. Natürlich. Heute morgen habe ich meinen letzten GutenMorgenKaffee abgeholt. Ich hatte ihnen vor ein paar Tagen bereits gesagt, dass dieser Freitag mein Letzter mit ihnen sein würde. Ich halte den Becher in der Hand und während ich mich bereits umdrehe, sehe ich, dass sie mir ein ‚Tschöööö‘ und viele gute Wünsche auf den Becher geschrieben haben. Ich bleibe stehen, wende mich noch einmal zum Tresen. Ich hatte mir fest vorgenommen, heute keine Tränen zu vergiessen. Aber als das Team mir gegenüber Leck schlägt und ich in blinzelnde Augen sehe, wird es wirklich schwierig, diesen Vorsatz einzuhalten. Ja, ich werd‘ euch auch vermissen. Wirklich.

*

Zurück an meinem Platz logge ich mich bei Twitter ein. Eine private Nachricht von P. wartet auf mich. ‚Herzlichen Glückwunsch zum letzten Arbeitstag.‘ Wie süss. Ich muss schmunzeln. Es treffen weitere Nachrichten ähnlicher Natur von meinen Freundinnen ein und ich mag das. So fühle ich mich in diesem Tag begleitet.
Kurz darauf signalisiert mir mein mobile phone den Erhalt einer SMS. Auch dort, ganz ähnliche Worte. Gute Wünsche, geteilte Freude über dieses Ende eines ungeliebten Jobs.

*

Die ersten Kolleginnen verlassen das Büro, Feierabend, Wochenende. Es werden Hände geschüttelt, es werden Umarmungen ausgetauscht und bei mir stellt sich erste Irritation ein. Der Abschied ist unerwartet herzlich, die Worte persönlich und angefüllt mit guten Wünschen, mit der Bitte doch den Kontakt nicht zu verlieren. Gesammeltes ‚..und du rufst mal an, ja?‚, ‚…schick doch mal ne Mail, komm auf einen Kaffee vorbei, ich würd mich freuen…
M. mag sich nicht verabschieden, minutenlang umrundet sie mich wie ein scheues Tier. Irgendwann kommt sie dann doch näher, bleibt ein paar Meter vor mir stehen und die ersten dicken Tränen in diesem Büro kullern über ihre Wangen. Damit habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet. Hinter ihr K., sie putzt sich geräuschvoll die Nase und ich höre sie in ihr Taschentusch nuscheln ‚Wenn M. jetzt nicht angefangen hätte… ich hatte es mir fest vorgenommen..‚ und so brechen nach und nach die Dämme. Ich bin erstaunt und überrascht. Das habe ich nicht erwartet.

*

Ich gehe zum letzten Mal diesen Gang entlang, Richtung Ausgangstür. Sehe mich nicht mehr um. Das hier liegt jetzt hinter mir, endgültig. So, wie es mein Wunsch war. Ich trete durch die Glastür hinaus. Seit Tagen hatte es nur geregnet, der Himmel grau verhangen. Aber jetzt scheint die Sonne. Das erste mal seit Tagen scheint wirklich die Sonne. Ich freue mich darüber. Ich würde das gern als gutes Zeichen und Symbol mitnehmen. Hinein in den Sonnenschein. Ein schönes Bild für einen neuen Anfang.

*

Der Stau hält sich in wirklich gut erträglichen Grenzen. Die ersten Mitfahrer auf der Staustrecke haben vermutlich bereits Urlaub oder betrinken sich gerade auf den Weihnachtsmärkten der umliegenden Städte.  Ich fahre im verbleibenden Sonnenschein das letzte Mal diese Strecke nach Hause. Mein mobile phone klingelt und T’s Stimme begrüsst mich auf dieser letzten Heimtour. Ich freue mich. Ein schöner Abschluss. Er gratuliert mir zum Abschied, freut sich über die Entscheidung, betont noch einmal, wie richtig es war. Wir telefonieren eine ganze Zeit, reden über die vergangenen, noch guten gemeinsamen Tage, ich erzähle von meinen Zukunftsplänen. So begleitet er mich die gesamte Heimfahrt. Als ich ankomme, ist der gemeinsame Kaffee im neuen Jahr fest eingeplant und er verabschiedet sich mit den Worten ‚Siehst du, so haben wir es doch jetzt gemeinsam zu Ende gebracht.‘

Ja, haben wir. Wie schön.

21 Reaktionen zu “Last Day in …”

  1. Christian

    Puuh … Glückwunsch zum Abschied.

    Und was kommt jetzt?

  2. Nika

    Danke.
    Jetzt? Mein aktuelles Lieblingswort : Downshifting.

    Im Januar werde ich mir dann mal genauer ansehen, was es so werden könnte. Aber erstmal würd ich die Zeit gern für mich nutzen. Umsehen, informieren und mit lieben Menschen Kaffee trinken. (Eben, mit dir/euch nämlich auch endlich wieder.)

  3. Christian

    Da möchten wir auch drum bitten :-)

    Jedenfalls erstmal alles Gute von uns :-)

  4. fotozelle

    *schneuz*

    dange für den text, hach, wie ist das schön.

    und das wird, wirste schon sehen ;)

    *schneuz*

  5. aebby

    and today first day out … ich wünsche Dir gute Gedanken in der nächsten Zeit und ganz kurzfristig ein schönes Weihnachten, lg Aebby

  6. nadja

    ich war am freitag das erste mal in der ex-firma, bilder meiner ausstellung dort abholen. ich habe paar ex-kollegen getroffen, aber am nettesten war das gespräch mit der B. von der cafeteria. seltsam. ich habe drei monate nichts und niemanden dort vermisst.

    und *seufz* ich bin zu weit weg, um von deiner freizeit zu profitieren, oder?

    wünsche dir feines downshifting. bussi.

  7. starfotograf

    für alles das, nika, beneide ich dich wirklich ein bisschen.

    *seufz*

  8. doro

    so, jetzt aber………….FRÖHLICHE WEIHNACHTEN !!

    :o)

    ich wünsch mir ein kaffeetrinken mit dir und frau rett. wenigstens.
    und vielleicht ist die dame aus hamburch ja auch grad auf der durchreise ?

  9. Tanja

    So, meine Liebe. Jetzt ist die Zeit gekommen, da ich dir endlich auch dazu gratulieren kann. Ich weiß ganz genau, wie du dich gefühlt hast. Und ich beglückwünsche dich mit jeder Faser meines Körpers zu deinem Entschluss. Es ist schön, dass du einen so netten Abschied hattest. Mich würde das aufbauen. Und ich bin mir sicher, dass deine Kollegen dich vermissen werden. ABER – deine neuen Kollegen werden dich mögen! Viel, viel mehr. Jawoll.
    Und mit der Doro hab ich gestern ein wenig geschrieben. Ich habe zwischen den Tagen Zeit und ein Kaffee wäre ganz wunderbar. Was halten sie davon, Frau Barista?
    FROHÄÄÄÄ WEIHNACHTÄÄÄÄHN!
    *umknuddel*

  10. Tanja

    Äh ja, guten Morgen Frau Rett. Doro hat´s ja oben auch schon geschrieben .. *fnihhiiiii

    Nadja, was ist? Auf der Durchreise?

  11. Nika

    Ich hoffe, ihr habt schön das Häkchen gesetzt. MissTanja, ihr MailAccount verweigert gerade die Kommunikation mit mir. Deswegen jetzt hier, denn die Damen Doro und Nadja interessiert es ja vermutlich auch: Natürlich will ich mit euch Kaffee trinken! :)
    Könntet ihr untereinander schon mal die Terminfrage klären und mir dann Vorschläge einreichen? Das wäre herzallerliebst.

  12. nadja

    also hier in hamburch seid ihr drei schnuckelschnecken 7 tage die woche eingeladen… ich fürchte nur, ihr wollt euch lieber da unten treffen, wo ich nie hinkomme. *seufz*

  13. doro

    ma ehm hamburch is halt nicht so schnell gemacht. düdo sind 100 km, das geht eher kurzfristig.
    aber hamburg muss ich eh, da gibt es gleich mehrere menschen zu treffen.
    das bedarf halt längerer planung.

  14. Tanja

    Boah, mein Mail-Account hat voll gesponnen. Jetzt scheint es wieder zu klappen. Habt ihr denn meine Mail erhalten? Von wegen Montag oder Dienstag bei mir? Ist nur ein Vorschlag … ich fahre auch überall anders hin. Sollte es auf der A1 allerdings wieder einen 4 Stunden Stau geben, muss ich Nika kurz ditschen … hihi.

    Ja, Hamburch wäre schön aber ist sooo weit wech. Menno.

  15. doro

    dir und deinen arschlochviren einen guten rutsch !
    (dir ins neue jahr, den viechern gern den rutsch ins klo….)
    bis ganz bald mal, hoffentlich
    :-)
    doro

  16. nadja

    und? habt ihr das getan?

    komm nachh hamburch, mädelz.

  17. doro

    nee, wir haben nichts getan, wir warten auf nikas gesundung.

  18. Michael

    Es wird gut werden. Alles. Die Kraft in diesen Worten sind Gewissheit genug.

  19. nadja

    dann mal gute besserung aus der grippefront nord.

  20. reinhard

    sieht so aus als hätten wir in den letzten tagen des jahres ähnliches durchgemacht…. um ehrlich zu sein, so froh ich einerseits war, das alles hinter mir zu lassen, so schwierig fiel mir er abschied von leuten, die ich über die jahre hinweg sehr zu schätzen gelernt habe. erstaunlich ist, dass einem das bis zu dem punkt an dem man wirklich geht gar nicht mal so richtig bewusst ist … für uns beide gibt’s viele veränderungen im neuen jahr…. und du weisst ich wünsche dir viel glück und ich drücke dir beide daumen…

  21. starfotograf

    gehts heute los? ich drück ’se mal, die daumen.

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