..und doch anders

Langsam überlässt mich der Schlaf einem diffusen Strom aus Bildern und Traumfragmenten, an die ich mich nicht wirklich erinnern kann. Ich habe gar keine Lust, den Tag zu beginnen. Würde lieber wieder hinübergleiten und mich treiben lassen in diesem weichen Rauschen. Es hilft nicht, mein Wunsch zählt nicht. Ich habe Termine heute, Gespräche über meine Zukunft. Beginne ihn also doch, den ungewollten Tag.

Er verläuft, wie ich schon am Anfang geahnt habe. Das Gespräch ist heute zäh, ich kann mich nicht entscheiden, fühle mich unfähig, die Weichen zu stellen, mich für eine Richtung zu entscheiden. Die Unterhaltung, die Arbeit an dieser Entscheidung, sie ist heute eine widerspenstiger Tanz. Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück.
Irgendwann trete ich den Heimweg an. Fühle mich frustriert und angestrengt. Diese Gespräche kosten mehr Kraft, als ich wahr haben will, ich fühle mich leer und müde. Während der Rückfahrt denke ich über die Möglichkeiten nach, die nächsten Schritte. Denke an all das, was zu erledigen ist, was ich tun kann, was ich tun muss, was ich tun will. Anstrengend. Weiterhin. Es rauscht und dreht sich in meinem Kopf.

Zuhause angekommen laufe ich durch den Innenhof auf die Eingangstür zu, werfe einen flüchtigen Blick auf den Briefkasten. Ein kleines Paket steckt zur Hälfte im Einwurfschlitz. Mein Name steht in grossen Buchstaben darauf. Ich hole es aus dem Kasten, halte es in den Händen, betrachte es.
Es ist schlank und aus brauner, stumpfer Pappe. Der Absender hat es verschlossen mit schwarzem, glänzenden Klebeband. Isolierband. Ich mag diesen Widerspruch. Die unterschiedliche Haptik, den Glanz des so unpassend erscheinenden Klebebandes. Es amüsiert mich. Irgendwie passt es zum Absender und das macht mich lächeln.
Und es freut mich. Ich freue mich über diesses Geschenk und trage es stolz hinauf in die Wohnung. Beginne langsam, das Band zu lösen und das Buch aus der Pappe zu ziehen. Ich weiss, das es eine Widmung enthalten wird. Bin neugierig und gespannt auf die Worte. Blättere die erste Seite um und sehe sie mir an. Die Widmung, die nur für mich ist. Sie ist zauberhaft und ich vergesse darüber den Tag, den ich bis jetzt so gar nicht mochte.

Irgendwann viel später, da ist es Zeit für das Bett. Aber bevor ich mich dem Schlaf hingebe, möchte ich wenigstens die ersten Seiten des Buches lesen. Möchte wissen, was mich erwartet. Denn ich weiss nicht wirklich, wie es ist. Obwohl ich bereits weiss, wie gern ich die Worte des Autors habe, ihn schätze für das was und wie er ist.

Also blättere ich zum Anfang der ersten Geschichte. Nach wenigen Zeilen weiss ich, das mein Wunsch, sein Buch zu lesen, seine Berechtigung hatte. Ich lasse mich ein auf seinen Rhythmus, seine Sprache. Wenige Zeilen reichen aus um mich einzuhüllen. Ich folge dem Text, lasse mich leiten. Folge den Worten, die sich Stück für Stück wie Raureif auf mein Herz legen. Bis zum Schluss der Geschichte.
Ganz still laufen sie mir dann über die Wange und dort am Ende, wo sie von meiner Wange auf das Kissen treffen, da versiegen sie und sind bald verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

Ich wusste am Beginn nicht, was mich erwarten würde, aber es traf mich unvermittelt und mitten hinein. Dorthin, wo es etwas berührt. Dann, wenn man so gar nicht damit rechnet. Aber das ist gut so. Bittersweet.

Vielen Dank, lieber Armin für dieses Geschenk. Für die Worte.

11 Reaktionen zu “..und doch anders”

  1. Tanja

    Ist es nicht schön, wenn der Tag anders endet, als wir uns das gedacht haben? Geschenke sind einfach schön.
    Und mit dem Leben ist es wie du schreibst: „Ich wusste am Beginn nicht, was mich erwarten würde, aber es traf mich unvermittelt und mitten hinein. Dorthin, wo es etwas berührt. Dann, wenn man so gar nicht damit rechnet. Aber das ist gut so. Bittersweet“
    *drück

  2. nadja

    wenn ich mit dem buch von Tanja durch bin, hole ich mir dieses auch. ich mag sowas.

    und danke für deinen text :-)

  3. lordfoltermord

    Neues aus dem Haus der Veränderung … wie schön …

    Aber es ist ja schon ein wenig grrr, nicht zu verraten, um welches Buch es sich handelt, dass dein Herz dermaßen berührt. Da grummelt die alte Neugierde …

    Oh, und sei sicher, es wird andere Schlafe geben, die dich besser in andere Tage entlassen, ganz bestimmt.

  4. Nika

    Der Link zum Buch versteckt sich unten hinter Armin. Das gehört ja quasi zusammen, deswegen findet es sich auch dort.

  5. lordfoltermord

    Oh! Ich blind viel! Danke!

  6. lightdot

    Jessas, was ist denn hier passiert? Bitte, Kind, nimm nicht so viel von dem Zeug! :-D

  7. Nika

    Damit ich weniger so seltsame Geschichten erzähle oder meine Tapeten nicht ganz so komisch anmuten? Dabei finde ich die Tapete ausgesprochen niedlich. Wo doch sonst immer alles nach Perfektion strebt fand ich das Modell Bastelschere mal angebracht. Für die Geschichten kann ich nix, das ist mein Leben. Das kann man sich bekanntlich nicht aussuchen :)

  8. Tanja

    *looool*
    Ist ja auch bald Ostern…;o)))))

  9. Tanja

    Die Kacktussi ist auch süß

  10. lightdot

    Gegen die Geschichten hab ich ja nix. :-) Aber dieses… wie soll ich es sagen… dieses… „Kindergärtnerin-auf-Ecstasy“-Design, das ist schon heftig, lol.

  11. nadja

    ich mag die tapete, die ist mir erst heute so erschienen.

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