Mahlzeit

Das Grauen wohnt in meinem Büro. Ich wusste es schon immer. Aber heute hat es mich wieder am Knöchel gepackt und arg gebeutelt.

Heute Mittag.

Ich habe mir ein Brötchen gekauft. Eine Banane. Eine 0,5 l Flasche Saft. Und eine Pflaume. Mein Mittagessen. Nach dem Einkauf setze ich mich wieder an meinen Platz, arbeite weiter vor mich hin. Schraube meine Flasche auf.

Der Kopf neben mir dreht sich, sie beugt sich leicht vor, interessierter, für mein Wohlbefinden entschieden zu langer Blick auf meine Flasche.

Kommentar von rechts : Ah, du hast dir Saft gekauft.

Me : Schweigen. Ignorieren.

Kommentar von rechts : Ist das ein halber Liter ? Na, ist ja gesund.

Ich packe mein Brötchen aus. Leise. Die Geräuschkulisse kann nicht der Auslöser gewesen sein. Wiederholung des langen Betrachtens meines Brötchens. Von rechts. Ich musste nicht so lange hingucken, ich kannte mein Brötchen schon.

Kommentar von rechts : Ah, ein Brötchen ? Zum Mittagessen ? Na dann ’nen guten.

Ich erinnere mich an meine gute Erziehung : Danke.

Konsequentes weiteres Beglotzen meines Mittagessens. Gefolgt vom fortschreitenden Kommentieren meines Mittagessens. Ah, und eine Banane hast du dir gekauft ? Passt ja zum gesunden Saft. Haha, genau. Ist ja alles gesund, ne ? Ist das andere da eine Pflaume ? Na das ist ja fast ein Obstsalat. Haha, ganz gesund heute. Du isst doch sonst nicht so gesund…

Es folgten weitere, ähnlich nutzlose Kommentare, begleitet vom ausgeprägten Betrachten meiner von mir persönlich als unspannend empfundenen Nahrungskomponenten. Irgendwann war es vorbei mit der Contenance. Da musste ich dann ruhig, sehr sehr ruhig anfragen, ob sie jetzt damit aufhören könne, mein Mittagessen weiter zu kommentieren. Ich wäre mir beim Kauf durchaus über die verschiedenen Anteile bewusst gewesen und müsse auch nicht weiter informiert werden, dass es sich dabei um Saft, Brötchen, Banane und Pflaume handeln würde. Auch der Vitamgehalt wäre mir bekannt. Den Satz mit einem ‚Danke‘ gefolgt von Schweigen und Blick auf den Monitor beendet.

Seitdem neben mir sturer Blick geradeaus. Komplettiert durch das beleidigte Abschalten der Kommentarfunktion.

Habt Mitleid mit mir. Spendet für ein Einzelbüro. Danke.

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