on the road again.

Du Arschbratze Lieber Autofahrer vor mir,

wir Pendler sind ein sensibeles Volk. Meine Nerven werden durch Leute wie dich nicht besser. Ehrlich nicht. Hört sich komisch an, ist aber so. Wenn du auf eine Ampel zufährst, mich in deinem Rückspiegel, bedenke doch bitte : ich könnte es eilig haben. Wahrscheinlich eiliger als du. Es ist wirklich nicht notwendig, den Bremsvorgang einzuleiten, während die Lichtanlage vor dir noch in frühlingshaftem Grün erstrahlt. Natürlich wird sie irgendwann Rot werden. Das wissen wir beide. Aber das heisst nicht, pro forma zu bremsen und erwartungsvoll zu schauen, ob sie denn nun ENDLICH auch wirklich Rot wird um dann, stehend, lethargisch und zufrieden in den Sitz zu sinken. Ja, du hattest Recht. Sie IST rot. Deine logische Schlussfolgerung sollte jetzt sein : Den ersten Gang einlegen, dem Lichtsignal gegenüber aufmerksam bleiben. Denn hey, sie WIRD Grün. Ehrlich. Aber nein. Du betrachtest deine Umwelt, irgendwann gerät das Grün in dein Sichtfeld und dir fällt ein „Mh. Wie war das nochmal ? Ah. Natürlich. Irgendwo hier war der erste Gang. Ich denke, den könnte ich zum Anfahren gebrauchen„. Gefolgt von hilflosem Rühren, stotterndem Anfahren. Natürlich, 10 km/h für die folgenden 300 Meter sind vollkommen ausreichend. Musst du dich doch erst vom Schock des so unerwartenden Lichtfarbwechsels erholen. Dafür habe ich nur leider ein ausgesprochen begrenztes Verständnis. Dieses endet allerspätestens bei der 3. Ampel in Serie. Nun sei bitte kurz dankbar über das Fehlen einer weiteren Ampel, hätte ich doch dann leider spontan mein Fahrzeug verlassen müssen um, natürlich sehr ruhig und überlegt, deine Wagentür zu öffnen und dich sehr gelassen und höflich zu fragen, ob wir denn nun unseren Weg bitte fortsetzen könnten.

Haben wir beide es dann tatsächlich irgendwann, gefühlte 48 Ampeln und 15 km mit maximal 35 km/h später, auf eine Autobahn unserer Wahl geschafft, erfahren meine zu diesem Zeitpunkt bereits angespannten Nerven leider noch immer keine Linderung. Du hast dich mit all deinen lustigen Autofahrer-vor-mir-Freunden verabredet. Das ist kein Spass. Das ist nicht ernst. Es ist todernst. Auf meiner täglichen Autobahn herrscht Krieg. Hier gilt Spurwechsel ist wie Einparken. Ist die Lücke ausreichend für eine einzige Wagenlänge, wird ohne Rücksicht gewechselt. Im Stop-and-Go-Verfahren, auf erwähnter Autobahn genauer formuliert das tägliche Stop-and-still-standing-Verfahren ist das zeitweise lästig. Rollen wir aber, bekommt dieses Verhalten eine andere Qualität. Lieber Autofahrer vor mir, bedenke doch bitte, es gibt im lustigen, täglichen Ringelreigen auch immer einen Autofahrer hinter mir. Da bekanntlich der Platz auf dieser unsäglichen Autobahn ausgesprochen eingeschränkt ist, hat er wenig Verständnis für unkalkulierbare Bremsmannöver deinerseits. Auch wenn du gerade vielleicht ein interessantes Werbeplakat entdeckt hast. Oder festgestellt hast, dass auch DU einen Autofahrer-vor-dir besitzt. Den weiblichen Exemplaren deiner Gattung würde ich an dieser Stelle gern mitteilen : Leg die Wimperntusche weg! Denn die, aus purer Langeweile und Verzweifelung inzwischen erhobene Statistik zeigt bisher : Bei dir hilft es wirklich nicht mehr. Es macht keinen Unterschied, glaub mir. Ansonsten, allgemeiner und geschlechtsunspezifisch wäre da noch : Leg die Zeitung zur Seite, trink aus deinem Kaffeebecher wenn der Verkehr eh gerade mal wieder zum vollständigen Stillstand gekommen ist (die Wartezeit bis zu diesem Moment beläuft sich erfahrungsgemäss auch nur auf wenige Minuten), nimm den Finger aus der Nase.

Blieben noch kurz ein paar wenige wertvolle Hinweise für meine Pendlergenossen : Haltet euch fern, so fern ihr nur könnt, von Fahrern eines Daihatsu Cuore. Straight from hell, da bin ich sicher. Gern genommen von mobilen Pflegediensten ( was ich für eine verbreitete Tarnungsstrategie halte), denen man als allererstes das ‚mobil‘ in der Namensgebung verbieten sollte. Das ist nicht mobil, das ist eine Zumutung gepaart mit allgemeiner Gefährdung. Vielleicht um neue Kundenkreise zu erschliessen. Begründet in der erhöhten Eigennutzung diverse im Fahrzeug befindlicher Sedativa. Allgemein bekannt und daher kaum der Erwähnung wert, die lustigen Waldorfkindergartenmütter. Ja, eure Kevin-Julians und Luisa-Marias möchten zum Basteln ? Und zum Schwimmen? Natürlich, Bewegung ist wichtig für eure lieben Kleinen. Verdammt, fahrt mit dem Fahrrad! Lasst sie zum ‚Basteln mit dem was die Natur uns gab‘ zu Fuss laufen. Aber bleibt bitte weit weg von meiner Autobahn. Trefft euch stattdessen doch bitte mit Menschen, die lustig-bunte Fisch-Aufkleber auf ihren Autos spazieren fahren. Ich wette, ihr würdet euch hervorragend verstehen. Man hat doch Verständnis für einander, ja wahrscheinlich sogar für ALLES und JEDEN! (Abgesehen von den gequälten Pendlernerven, selbstverständlich) Und Zeit! Zeit habt ihr alle gemeinsam augenscheinlich mehr als genug. Aber ICH verdammt nochmal NICHT! Bitte, bleibt einfach WEG! Erspart mir den drohenden Infarkt. Oder das Ansparen einer Summe X um eine fällig werdende Kaution zu bezahlen, wenn man mich wegen eines tätlichen Angriffes auf einen von euch Autofahrer-vor-mir-Biestern verhaftet. Früher oder später wird es so kommen.

2 Reaktionen zu “on the road again.”

  1. :: unsaleable :: » Blog Archiv » Music is my life

    […] 9. Autofahren – Element of Crime : Strassenbahn des Todes. So, jetzt hab ich wirklich schallend gelacht. Wer hier mitliest, weiss wie oft ich in meinem Pendleralltag ausflippe. Ob ich jetzt tatsächlich darüber nachdenken sollte jeden Gedanken an Strassenbahnen als Alternative sofort und konsequent zu verwerfen. Ich glaube schon. […]

  2. :: unsaleable :: » Blog Archiv » Music is my life

    […] Todes. So, jetzt hab ich wirklich schallend gelacht. Wer hier mitliest, weiss wie oft ich in meinem Pendleralltag ausflippe. Ob ich jetzt tatsächlich darüber nachdenken sollte jeden Gedanken an Strassenbahnen […]

Einen Kommentar schreiben