Fisch.

7. Januar 2011

Mein Blog ist eigen. Natürlich. Sonst wäre es vermutlich nicht mein Blog.
Was ich aber eigentlich damit sagen möchte, ohne grossartig abzuschweifen, was mir ja gern zu eigen ist, dazu muss man natürlich wenigstens in einem Nebensatz meine Vorliebe für Schachtelsätze erwähnen, ist ein technischer Aspekt, wo ich spontan einwerfen müsste, dass mir Technik als Mädchen gar nicht liegt, was ich übrigens gern mit dem schönen Satz „Ich habe Brüste, das muss reichen“ rechtfertige, ist die Tatsache, dass mein Blog zur Zeit ein Spamkommentarproblem hat.

Was zur Folge hat, dass ich eure Kommentare zeitweise aus einer unübersichtlichen Menge Spam fischen muss. Das tue ich natürlich für euch, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich euch immer finde.
Um heute doch noch völlig unerwartet auf den Punkt zu kommen: Sollte einer eurer Kommentare nicht erscheinen, so ist das natürlich keineswegs böse Absicht, ich mag euer Gesabbel doch und ohne euch wäre es hier nur halb so lustig.
Lasst euch davon also bitte nicht abschrecken, haut ihn gleich nochmal raus. Eigentlich sollte jetzt alles wieder funktionieren und ein einmalig freigeschalteter Kommentartor dürfte nicht mehr in der Warteschlange landen, aber man weiss ja nie. Technik und so, ich erwähnte es.

2011

2. Januar 2011

Das neue Jahr gibt sich alle Mühe, mir zu gefallen. Es kuschelt sich an mich heran, bringt gleich am ersten Tag gute Nachrichten, die mich wirklich freuen und einen Silvesterrutsch mit grossem Spass.
Das alte Jahr endete mit einer emotionalen Achterbahnfahrt, nichts war mehr leicht und unbeschwert, einiges im Leben relativierte sich und ich habe mir und anderen eine Menge Fragen stellen müssen. Ich musste Antworten haben, Stellung beziehen und beide Füsse fest in den Boden stemmen um nicht mitgerissen zu werden in einem Strudel, den ich nicht aufhalten konnte.

Aber wir sind geschwommen. Wir alle, das sind die Mädchen und ich. Die Mädchen, von denen ich sage „these girls are golden“. Wir sind geschwommen, haben gerudert und fühlten uns stellenweise verloren. Wenn ein Mensch, von dem du glaubst, dass du ihn kennst und das ihr euch vertraut, entscheidet, dieses Leben nicht mehr tragen zu können und an einen Punkt kommt, wo er das Gefühl hat, dies nicht mehr äussern zu können, nicht mehr die Kraft für die Bitte um Hilfe zu haben, einfach zu verstummen, dann rüttelt es vieles auf.
Es gab in diesem Unglück eine unendliche Anzahl der berühmten Verkettung von glücklichen Zufällen. Deswegen konnten wir dann doch gemeinsam rutschen, in Originalbesetzung. Wir sind näher zusammengerückt, es hat viele Tränen gekostet, jede für sich hatte den Kampf, die eigenen Emotionen irgendwie in dieses Geflecht zu weben, es nicht überzustrapazieren, ein fragiles Gebilde aus verschiedenen Menschen und Herzen. Ich hoffe und ich glaube, wir haben das gut gemacht. Haben vorsichtig begonnen, dies alles gemeinsam zu verweben. Ich hoffe, wir haben aus all diesen zarten Fäden Stück für Stück ein starkes Tau geknüpft. Eines, dass uns noch enger verbindet und vieles aushalten kann. Gemeinsam diese Leben tragen kann. Es ist ein Anfang gemacht und ich hoffe, die Umstände werden sich weiter glücklich fügen um schlussendlich mit Veränderungen in ein HappyEnd zu münden.

Ich habe vor Jahren schon aufgehört, Vorsätze für ein neues Jahr zu fassen. Weil ich oft einfach Wünsche hatte. Wünsche an ein Leben, die ich nicht beeinflussen kann. Da helfen keine noch so schicken Vorsätze.
Ich weiss nicht, was heute anders war. Aber es schlichen sich, einfach so, Vorsätze ein. Es ist nicht zu leugnen, in meinem Kirmesgehirn fuhren Ideen Karussell, die man auch nach genauerer Betrachtung nur noch als Vorsätze deklarieren kann. Also gut, 2011, wir beide, wir haben jetzt gemeinsam ein paar Sachen vor.

Overflow

28. Dezember 2010

Seit Tagen schleiche ich um mein Blog. Seit Tagen beginne ich Einträge und verwerfe sie wieder. Manche Dinge passen nicht in Worte. Nicht in Sätze. Nicht zwischen Zeilen. Sie sind grösser als ich und ich habe Angst, sie werden mich überrollen, lasse ich nur los.
Deswegen beginne ich Einträge um mitten im Satz abzubrechen. Auf den blinkenden Cursor zu blicken und zu wissen, es ist nicht die Zeit davon zu erzählen.
Aber diese leeren Seiten, das vorwurfsvolle Datum des letzten Eintrags, das alles ertrage ich genauso wenig.

Ich wünschte, es wäre wieder Sommer. Ich will dieses unbeschwerte Gefühl wiederhaben, das zu diesen Bildern gehört. Zu diesen lauen Sommernächten in den Sessel, dem leisen Klirren der Löffel in den Tassen und dem sanften Schwingen dieser Pflanze dort.

Aber dieses Gefühl bekomme ich nicht wieder. Es ist zerbrochen, ich habe mich daran geschnitten und nun bin ich verwundet. Trage diese Wunde mit mir und weiss nicht, wie ich sie heilen soll. Ich weiss nichtmal, ob ich das kann. Wir alle haben diese Wunde, jede auf ihre eigene Art. Es ist diese Mischung aus Hilflosigkeit, Verwunderung, Enttäuschung und verletztem Vertrauen. Es gibt soviele Fragen und niemand kann sie stellen. Niemand kann sie formulieren und aussprechen. Niemand bekommt eine Antwort und das hält uns zusammen. Noch näher. Näher als sonst schon. Menschen treffen Entscheidungen und wenn wir bis dahin glaubten, wir hätten das Leben im Griff, es würde schon gehen, dann belehren uns diese Entscheidungen eines besseren. Dann stehen wir in unseren Leben und es bleibt nichts als diese Menge an Fragen, die wir nicht stellen können. Weil die Worte fehlen.
Ich kann diese Fragen nicht formulieren, sie sind nur ein blasses Gefühl, das schwer und bitter in mir liegt. Aber ich habe eine Antwort. Es gab wenige Momente im Leben, wo ich so klar gesagt habe „Ich kann das nicht.“ Aber das ist das einzige, was mir über die Lippen geht. Ich kann es nicht. Ich kann nicht so tun, als fühlte ich mich nicht verwundet.

In diesem Jahr hat sich das Schweigen gesammelt. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Manchmal ging es um mich, dass ich über Dinge nicht reden wollte. Weil ich manchmal glaube, wenn man Dinge ausspricht, gibt man ihnen eine Form. Dann stehen sie mitten im Raum und sie gehen nicht mehr weg. Es gab das Schweigen, dem ich begegnete. Weil man die gemeinsame Ebene verlassen hatte. Man hat den gemeinsamen Raum und die gemeinsame Sprache verlassen. Was blieb, war Schweigen.
Und jetzt gibt es diesen Moment, wo die Worte einfach fehlen. All‘ die Fragen, die wir gern stellen würden, könnten wir sie nur formulieren und all die Fragen, dürften wir sie nur stellen, haben sich verkapselt in ein Schweigen. Ich habe Angst, breche ich es auf, dann zerbricht es. Und ich schneide mich daran.

Es ist.

26. November 2010

Die Dämmerung ist schon eingezogen in den Raum als ich erwache. Das Licht ist blau und kühl und lässt mich auch unter der warmen Decke frösteln. Es passt so gar nicht zum Licht in meiner Erinnerung. In der Erinnerung an den Traum, aus dem ich langsam, aber ungern zurückkehre.

Ungern, weil es dort warm war. Umgeben von grünem Gras und im Sonnenlicht. Ich weiss nicht, warum der Traum mich zurückbrachte in den Sommer, der gerade so weit weg ist. Ein Sommer, an den ich mich kaum erinnern kann. Vielleicht war er zu kurz, zu wenige warme Tage, zu wenige lange Nächte.
In meinem Traum war er da, der Sommer. Warm und weich. Wir sassen auf einer verwitterten Holzbank. Die Risse im Holz waren schon ganz aufgeplatzt vom Regen vieler Tage, von der Sonne vieler Tage, dem Frost vieler Nächte.
Vor uns das Wasser, langsam und behäbig fliessend. Mit aller Zeit der Welt. So sehr ich auch versuche, mich zu erinnern, ich weiss nicht mehr, worüber wir sprachen. Das Gespräch war ruhig und langsam, so wie der Fluss der vor uns vorüberzog.

Obwohl diese Formulierung ja eigentlich so nicht stimmt. Flüsse ziehen nicht. Sie sind einfach da und bewegen sich langsam in sich. Genau vor uns. Ohne ihren Platz zu verlassen. Aber darum geht es nicht. Denn das, woran ich mich sehr genau erinnere, das Fragment aus meinem Traum, dass im Gegensatz zu den meisten anderen Details den ganzen Tag bei mir blieb, das ist mein Unterarm.

Vielleicht träumte ich deshalb vom Sommer, vielleicht ist das der Grund. Im letzten Sommer hat mein Unterarm sich verändert und dort, wo die Veränderung begann, entsteht im Traum die Fortsetzung. Vielleicht ist es das.
Wir sassen auf dieser Bank, sprachen miteinander und während ich meine Zigarette hielt, abwechselnd sprach, zuhörte und rauchte, da blickte ich ab und zu auf meinen Arm. Mit diesen leuchtenden Farben im Sonnenlicht. Dort, wo jetzt nur ein Teilstück tätowiert ist, schlossen sich weitere Farben an. Überzogen meinen kompletten Unterarm bis zur Ellenbeuge.
Es war, als wären diese Farben schon immer da gewesen. Als würde das, was ich im Traum sah, dort hin gehören.

Wenn ich jetzt auf meinen Arm blicke, ist es, als könnte ich es noch immer sehen. Das, was an Motiven nun auf einmal zu fehlen scheint. Als wäre mein Arm nach diesem Traum unvollständig. Dieses Gefühl trage ich durch den Tag. Noch immer ist es da und noch immer kann ich mich an jedes Detail dieser Tätowierungen erinnern.
Mein Gehirn hat ganze Arbeit geleistet und ich kann nicht aufhören, daran zu denken. Immer wieder habe ich heute im Lauf des Tages meinen Ärmel zurückgeschoben und meinen Arm betrachtet. Als würde ich darauf warten, dass die Bilder, wenn ich nur fest daran glaube, auf einmal zurückgekehrt sind aus diesem Traum und ich sie wieder auf meinem Arm trage.

Vielleicht sind es all‘ die Dinge, die mir in der letzten Zeit, in den letzten Tagen und Wochen, unter die Haut gingen. Vielleicht ist das, was mich schweigen liess, durch mich hindurch gewandert. Als wäre das Schweigen in mir bis in meinem Arm gesunken und dort in diesen Bildern langsam durch meine Haut gesickert. Bis ich sie sehen konnte, in diesem Traum.

Vielleicht sollte ich meinen Tätowierer anrufen. Vielleicht ist das meine Art, das Schweigen für mich zu beenden. Ihm seinen Raum zu geben, einen Platz, wo es sein kann, ohne mir die Worte zu nehmen, ohne mich festzuhalten. Vielleicht muss ich es loslassen und in Farbe tauchen.

Und was bleibt.

30. Oktober 2010

Es ist wie dieser Moment, wo wir in den eigenen Räumen, in der eigenen Wohnung, in dem Areal, dass wir wirklich gut kennen, in einer dunklen Nacht, unerwartet stolpern.
Es ist, als hätte jemand still und heimlich die Möbel verrückt. Alles nur ein wenig. Ein kleines Stück. Genug, um uns straucheln zu lassen. Genug, um uns das Gefühl zu geben, uns im eigenen Raum nicht mehr auszukennen. Als würde man dort nicht hingehören. Irgendetwas stimmt nicht, wir scheitern an den vertrauten Wegen. Aber niemand sagt uns, dass die Möbel jetzt anders stehen. Nur dieses kleine Stück. Nur dieses bisschen, was jetzt anders ist.
Wir müssen es selbst herausfinden. Indem wir uns stossen. Uns verletzen. Dagegen laufen. Nicht mehr weiterkommen. Dastehen und nicht mehr weiterkommen.

Es ist wie dieser Moment, wo wir plötzlich wissen, das jetzt etwas anders ist. Der Moment, wo wir funktionieren, über Alltägliches reden. Plappern, wie ein Aufziehpüppchen. Lächeln. Und Innendrin ist Schweigen. Innendrin fehlen die Worte. Es ist, als würden die Buchstaben fehlen. Dort, wo vorher Worte waren, eine Unmenge Worte und Möglichkeiten, da ist ein weisses Blatt. Und egal wie lange wir darauf sehen werden, es fehlen die Wort. Sie bleiben einfach verschwunden. Und Innendrin ist Schweigen.